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Warum der Osten so tickt, wie er tickt

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Warum der Osten so tickt, wie er tickt Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

"Wenn ihr das wissen wollt, müssen wir diese Geschichten aufarbeiten", sagt Petra Köpping, sie ist in Sachsen Ministerin für Gleichstellung und Integration. Auch Westdeutsche sollten verstehen, was im Osten passiert ist.

Lesen unter
http://plus.faz.net/politik/2017-08-05/d...b31d7a7f32d714/

Zitat:
[...]Die Wiedervereinigung wird bis heute als Erfolgsgeschichte erzählt [...] Aus dem Blick geraten dabei die Menschen, die die Wiedervereinigung aus der Bahn warf. Das sind mehr als landläufig angenommen, und in den wenigsten Fällen sind das diejenigen, die zuvor in der DDR das Sagen hatten.
Viele hatten 1989 überbordende Hoffnungen und auch Illusionen über den Westen, doch war die Freude über D-Mark, freie Wahlen und Reisemöglichkeiten sehr schnell durch den Verlust des Arbeitsplatzes, ja des gesamten bisherigen Lebens getrübt oder ganz dahin.
Die 6000 Mitarbeiter des Dresdner Kamerawerks Pentacon etwa erfuhren am Tag der Wiedervereinigung, dass die Treuhand ihren Betrieb liquidiert. Während Deutschlands Zukunft gefeiert wurde, standen sie von heute auf morgen vor dem Nichts. [...]
Es war eine bis heute beispiellose Deindustrialisierung ganzer Landstriche. „So etwas“, sagt Petra Köpping, „hat es im Westen nie gegeben.“ [...]
In der letzten Reihe steht ein Mann auf, Ende 50, untersetzt, runde Brille. Er zögert, dann erzählt er, wie schon Großvater und Vater hier Arbeit hatten, wie er, Diplomingenieur, das Zukunftskonzept mitentwickelte. „Wir hätten eine Chance gehabt“, ruft er. So aber wurde er arbeitslos. Er hat drei Kinder, dann wurde auch noch seine Frau entlassen. „Ich habe jeden Job, wirklich jeden Job angenommen, um meine Familie nicht im Stich zu lassen“, sagt er. Hausmeister, Lagerist, Security, zig Umschulungen, aber nie mehr etwas Festes. Sein jüngster Sohn schloss sich Neonazis an, wollte sich an dem System rächen, das den Eltern das antat. Der Vater holte ihn da noch raus, dann brach er zusammen. Klinik, Reha, erwerbsunfähig und bis heute ständig Ärger mit Ämtern. „Das kann niemand wiedergutmachen“, sagt er. „Nur die Erinnerung an die Geborgenheit im Sozialismus und meine Familie haben mir geholfen, das alles zu überstehen.“ [...]

Verständlicher Weise versuchen die Vertreter der Regierungsparteien, eine offene Diskussion über derart verheerende Folgen des Anschlusses der DDR an die BRD weiterhin zu unterdrücken.
Was ich dagegen nicht begreife ist, wie zaghaft und inkonsequent die LINKE selbst jetzt noch mit der gesamten DDR-Thematik umgeht bzw. sie offenbar am liebsten generell ausblenden würde.
Dabei könnten sie sich sogar doch auf das nachfolgende Eingeständnis des "Vaters der Einheit" stützen!

Zitat:
[...]Der Deutschlandfunk erinnerte kürzlich an ein vertrauliches Gespräch, das Helmut Kohl und der Historiker Fritz Stern in den neunziger Jahren führten. Stern fragte den Kanzler, welche Fehler er bei der Wiedervereinigung gemacht habe. Kohl zögerte lange, aber sagte dann, dass er es versäumt habe, offen darüber zu reden, dass nicht alles in der DDR falsch war und im Westen nicht alles richtig. Stern [...] antwortete, dass diese Botschaft jedoch am dringendsten nötig gewesen wäre.[...]


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RE: Warum der Osten so tickt, wie er tickt Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Über den letzten Absatz des Vorstehenden und auch über diese Behauptung des FAZ-Artikels würde ich sehr gern diskutieren:

Zitat:
[...]Die Wiedervereinigung wird bis heute als Erfolgsgeschichte erzählt, die sie zweifellos auch ist: Deutschland ist stark und angesehen in der Welt ...

beteiligt sich an der Ausbeutung anderer Länder, führt wieder Kriege und folgt der westlichen Konfrontationspolitik gegenüber Russland und allen Staaten, die sich nicht dem politischen/ökonomischen Diktat der USA und ihrer Verbündeten unterwerfen wollen.

Zitat:
... und wer heute in den Osten des Landes fährt, sieht eine saubere Umwelt, intakte Straßen, herausgeputzte Städte und Dörfer. [...]

Sicher, es ist einiges neu gebaut worden, und die meisten Fassaden sehen heute schöner aus als beispielsweise 1989 in Karl-Marx-Stadt.
Was dafür schlechter geworden ist, lässt sich nicht in wenige Worte fassen und ist auch individuell unterschiedlich. Es ist jedenfalls viel mehr als "nur" der Verlust des Arbeitsplatzes.
Über die Behauptung, dass man nun im Osten eine "saubere Umwelt" sieht, kann ich nur müde lächeln. Müllberge und überall verstreute Abfallprodukte der westlichen Wegwerfgesellschaft waren die erste optische "Errungenschaft" der Einheit und blieben uns bis heute erhalten.

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...ich kann so gut wie gar nichts wirklich Schlaues über die ehemalige DDR sagen, nur, dass die Menschen das, was du offensichtlich in der Zeit als Geborgenheit und Schutz empfunden hast, oft vielleicht auch als zu enges "Korsett" gefühlt haben. So verstehe ich es oft zumindesst.
Und mir würde es wahrscheinlich auch so gehen.
06.08.2017 21:11 hoffi ist offline E-Mail an hoffi senden Beiträge von hoffi suchen Nehmen Sie hoffi in Ihre Freundesliste auf
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@hoffi
Könntest Du das vielleicht mal an Beispielen erläutern?

-------------
Zum oben verlinkten Artikel ein treffender Kommentar

Zitat:
26 Jahre später fällt der FAZ auf, daß es in der Nachwendezeit himmelschreiendes Unrecht im „wiedervereinigten“ Osten gab und daß bis heute ganze Generationen davon gezeichnet sind. Immerhin lesenswert, da gut zusammengefaßt: „Vom Ende der Sprachlosigkeit — Seit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping über die harte Nachwendezeit spricht, kommen erschütternde Geschichten ans Licht. Diese Aufarbeitung aber passt nicht allen.“
Erschütternd sind die Geschichten wohl hauptsächlich für die konservative Stammleserschaft der West-Gazette FAZ, denn wer im Osten lebte, kennt das Schema zu Genüge — aus eigenem Erleben, aus der Familie oder dem Freundes-und Bekanntenkreis. Sprachlosigkeit gab es dort nämlich eigentlich nicht. Resignation und das Gefühl von Ohnmacht allerdings schon.
In diesem Zusammenhang sei auch (nochmals) auf eine hervorragende ZDF-Doku von 2010 zum Thema hingewiesen: „Beutezug Ost – Die Treuhand und die Abwicklung der DDR“
Interessanterweise schrieb ausgerechnet o.g. Zeitung, die sich nun so „erschüttert“ gibt, seinerzeit gegen diese Fernseh-Doku eine von Zynismus, Überheblichkeit und Propaganda triefende Polemik und unterbot dabei in weiten Teilen noch das Niveau geifernder Springer-Blätter: „Ihr seid alle ausgebeutet! — Das ZDF weiß, was in Ostdeutschland schiefgegangen ist. Und will seinen Zuschauern die wirtschaftspolitischen Entscheidungen von 1990 als „größtes Betrugskapitel in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands“ verkaufen.“

https://cooptv.wordpress.com/2017/08/06/ende-der-sprachlosigkeit-aufarbeitu
ng-der-nachwendezeit-in-sachsen/


Und hier die im Text erwähnte und nach wie vor sehr sehens-/bedenkenswerte TV-Dokumentation über die Arbeit der "Treu"hand
https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=UV-l4xfRB84

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Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lonicera: 07.08.2017 03:02.

07.08.2017 02:39 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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@Loniicera
..es tut mir wirklich leid @Lonicera, dass ich speziell zu diesem Thema nicht viel zu sagen habe - ich sagte es ja schon.
Ich kann dir nur aus meinem ganz normalen täglichen Leben sagen, was mir bisher begegnet ist. Und das wäre z. B. meine Freundin, die noch vor dem Fall der Mauer aus familiären Grunden nach West-Berlin kam. Sie brachte einen ganz unglaublichen Hunger nach Abwechslung jeglicher Art, des Konsumierens, bezügl. der Reisemöglichkeiten usw. mit.

Sie und ihre Familie waren ganz brave Ostberliner mit guter Bildung, niemals arm und mit guten Kontakten. Trotzdem, und das bekräftigt sie auch, hat sie alles, was sich ihr nur bieten konnte, ausgekostet, war neugierig ohne Ende, und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Wenn sie mal ein bisschen erzählt, dann oft von Bespitzellungen und der Aufforderung von staatlicher Seite, dies zu tun, auch innerhalb des Freundeskreises. Sie und auch ihre Mutter haben heute noch in bestimmten Situationen Angst bzw. sind sehr vorsichtig, wenn es um politische Gesinnung geht. Das scheint nicht wegzugehen.
Andererseits ist sie geprägt von dem Bedürfnis nach freundlschaftlicher Nähe und Familiensinn, mehr als ich das von Westdeutschen Menschen kenne.

Du siehst, es sind nur Alltäglichkeiten, die ich erzählen kann. Politisch und ganz sachlich kann ich das nicht fundieren. Aber diese Auswirkungen kann man bei vielen Leuten sehen. Es war ihnen einfach Vieles zu eng und zu angstgeprägt.
07.08.2017 15:45 hoffi ist offline E-Mail an hoffi senden Beiträge von hoffi suchen Nehmen Sie hoffi in Ihre Freundesliste auf
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@hoffi
Keine Frage: Die Verlockungen westlichen Konsumverhaltens waren besonders für Jüngere oft der wichtigste Grund, die DDR zu verlassen. Allerdings wurde/wird das von BRD-Politikern sehr gern ausgeklammert. Warum die DDR da nicht mithalten konnte (bzw. in mancher Hinsicht auch gar nicht wollte), ist nicht in zwei Sätzen zu erläutern. Zum "Wollen" nur so viel: Sozialismus bedeutet Sieg der menschlichen Vernunft . Und war/ist Kapitalismus bzw. - davon abgeleitet - das westliche Konsumverhalten etwa vernünftig?
Unsere Prioritäten waren völlig anders gelagert, untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit/Sicherheit verknüpft, und die dabei erreichten Erfolge wurden trotz aller Bemühungen bis heute noch nicht völlig vergessen gemacht. Die reiche BRD konnte/kann da nicht im Entferntesten mithalten.
Der DDR wird oft im negativen Sinn als "vormundschaftlicher" Staat bewertet. Ich würde unsere damalige Gesellschaft eher mit einer großen, weit verstreuten und dennoch auf Zusammenhalt angewiesenen/bedachten Familie vergleichen. Jeder genoss die vielfältigen Vorzüge dieses Verbundes. Aber es wurde eben auch zu Recht von jedem erwartet, dass er seinen Teil dazu beitrug. Abertausende taten das überreichlich, indem sie immer dort in die Bresche sprangen, wo einer ganz selbstverständlich möglichst viel nehmen, aber wenig oder zumindest nicht das aktuell Erforderliche geben wollte. Der dann mitunter auch mal an die Grundlagen der gesamtgesellschaftlichen Vereinbarung erinnert werden musste. Um Beispiele bin ich nicht verlegen, aber ich weiß ja nicht, worum es da bei Deiner Freundin konkret ging.
Eben so wenig wie ich beurteilen kann, ob ihre Angst vor Spitzeleien auf persönlicher Erfahrung oder der allgemeinen Stasi-Hysterie beruht, die bekanntlich von westlichen Politikern/Medien nicht erst seit dem Anschluss der DDR an die BRD geschürt wird und immer noch bestens funktioniert.
Es ist schon erstaunlich, wie langsam sich trotz der mittlerweile bekannten Fakten über die massive Spionage- und Sabotagetätigkeit ausländischer Geheimdienste und anderer Organisationen gegen die DDR die Erkenntnis durchsetzt, dass unsere Bürger jeden Grund hatten, sich vor allem vor diesen und nicht ausgerechnet vor den Organen zu fürchten, die sie über Jahrzehnte davor beschützten.
Wie "missliebige Staaten" heutzutage auf solch perfide Weise bekämpft werden, hat sich wohl inzwischen herumgesprochen. Und um der DDR den Garaus zu machen, war man schon damals sehr erfinderisch.
Dazu im nächsten Post Auszüge aus dem bereits etwas älteren Text eines sachkundigen US-Amerikaners.

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07.08.2017 19:58 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Der 1933 geborene US-Amerikaner William Blum arbeitete nach seinem Studium als überzeugter Antikommunist im gehobenen Dienst des Außenministeriums in Washington. Vom US-Krieg in Vietnam desillusioniert, quittierte er 1967 den Dienst für die US-Regierung und wurde einer der profiliertesten Kritiker der amerikanischen Außenpolitik. Mitte der 1970er Jahre arbeitete er in London mit dem früheren CIA-Offizier Philip Agee an der Enthüllung von Verbrechen des US-Geheimdienstes. Blums Klassiker »The Killing of Hope«, auf deutsch unter dem Titel »Zerstörung der Hoffnung« im Zambon-Verlag erschienen, ist ein ebenso spannendes wie erschütterndes Dokument, das die globalen Operationen der CIA seit dem Zweiten Weltkrieg, einschließlich denen in der DDR, auflistet.

Zitat:
Bei allem Jubel über den Fall der Berliner Mauer sollte nicht vergessen werden - ihr Bau 1961 war eine Antwort auf Wirtschaftssabotage und Subversion »Made by USA« [...]
Die Erzählungen über den Bau der Mauer folgten dem alten vereinfachenden Geschichtsbild: Im Jahr 1961 bauten die Ostberliner Kommunisten die Mauer, um ihre unterdrückten Bürger an der Flucht nach Westberlin und in die Freiheit abzuhalten. Warum? Weil Kommunisten nicht mögen, wenn die Menschen frei sind und die »Wahrheit« erfahren. Welche anderen Gründe hätten es sonst gewesen sein können?
Zunächst sei daran erinnert, dass vor dem Mauerbau 1961 Tausende Ostdeutsche jeden Tag zu ihren Arbeitsplätzen im Westen pendelten und am Abend in den Osten zurückkehrten; viele andere gingen hin und her - entweder zum Einkaufen oder aus anderen Gründen. Ganz eindeutig wurden sie also im Osten nicht gegen ihren Willen festgehalten.
Warum wurde dann aber die Mauer gebaut? Dafür gab es zwei Hauptgründe: Erstens: Der Westen war dabei, den Osten mit einer robusten Abwerbekampagne von Experten und Facharbeitern, die auf Kosten der kommunistischen Regierung ausgebildet worden waren, in die Enge zu treiben. Dies führte schließlich im Osten zu einem schweren Mangel an Arbeitskräften und einer Produktionskrise. Als ein Indiz dafür berichtete die New York Times im Jahr 1963: »Durch den Bau der Mauer erlitt Westberlin wirtschaftliche Verluste auch dadurch, dass die rund 60.000 Facharbeiter, die täglich aus ihren Häusern in Ostberlin zu ihren Arbeitsplätzen in Westberlin pendelten, ausblieben.«
1999 berichtete die Tageszeitung USA Today: »Als die Berliner Mauer zusammenbrach, stellten sich die Ostdeutschen ein Leben in Freiheit vor, wo es Konsumgüter im Überfluss gab und wo Not und Bedrängnis der Vergangenheit angehörten. Zehn Jahre später bekennen bemerkenswerte 51 Prozent, dass sie im Kommunismus ein glücklicheres Leben geführt hatten.«
Bei früheren Umfragen wäre das Ergebnis wahrscheinlich noch höher gewesen, denn in den zehn Jahren dazwischen waren viele von denen, die ihr Leben in Ostdeutschland in positiver Erinnerung hatten, verstorben. Und laut einem Artikel der Washington Post aus dem Jahr 2009 »beschwerten sich Westberliner darüber, dass ihre Ostberliner Kollegen voller Nostalgie den kommunistischen Zeiten nachhingen«. [...]
Zweitens: In den 1950er Jahren haben die amerikanischen Kalten Krieger von der Bundesrepublik Deutschland aus eine krude Sabotage- und Subversionskampagne gegen Ostdeutschland durchgeführt, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu schwächen und den Verwaltungsapparat zu untergraben. Die CIA und andere US-Geheimdienste und militärische Dienste rekrutierten und finanzierten Aktivistengruppen und Einzelpersonen in West- und Ostdeutschland, um sie dann für die Durchführung von Maßnahmen auszubilden und auszurüsten, die von Jugendkriminalität bis zu Terrorismus reichten - alles mit dem Ziel, den Menschen in Ostdeutschland das Leben so schwer wie möglich zu machen und auf diese Weise ihre Unterstützung für die Regierung zu schwächen. [...]


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Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Lonicera: 07.08.2017 20:39.

07.08.2017 20:21 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Forts.

Zitat:
Die Vereinigten Staaten und ihre Agenten verwendeten Sprengstoff, sie begingen Brandstiftungen, verursachten Kurzschlüsse und setzten andere Methoden ein, um Kraftwerke, Werften, Kanäle, Hafenanlagen, öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel, Tankstellen, Brücken etc. zu beschädigen oder Güterzüge entgleisen zu lassen, wobei Arbeiter schwer verletzt wurden. Sie zündeten zwölf Güterzüge an, bei anderen Waggons zerstörten sie Bremsschläuche. Sie setzten Säure ein, um in Fabriken lebenswichtige Maschinen zu beschädigen, legten Feuer oder brachten mit Sand eine Turbine zum Stillstand. Sie stifteten Arbeiter zu Bummelstreiks an. Sie töteten 7.000 Kühe eines genossenschaftlichen Molkereibetriebs mit Gift. Sie mischten Seife unter Milchpulver, das für Schulen bestimmt war. Bei Agenten wurde bei der Festnahme eine große Menge des Giftes Cantharidin gefunden. Es sollte mit Zigarettentabak vermischt werden, um damit ostdeutsche Führungskräfte zu ermorden. Im Vergleich dazu zählte der Einsatz von Stinkbomben zur Störung politischer Versammlungen noch zu den harmloseren Sabotageakten. Dazu gehörte auch die Verteilung gefälschter Lebensmittelkarten, um Verwirrung zu stiften und Ressentiments gegen die Regierung zu schüren. Auch verschickten Agenten gefälschte Steuerbescheide, Regierungserlasse, Vorschriften und vieles mehr, um in Industrie und Gewerkschaften Desorganisation und Ineffizienz zu schaffen. Das »Woodrow Wilson International Center for Scholars« in Washington, das sich aus konservativen Kalten Kriegern zusammensetzt, hat in einem Arbeitspapier (Nr. 58, Seite 9) seines »Cold War International History Projekts« festgestellt: »Die offene Grenze in Berlin hat die DDR massiven Spionage- und Subversionsangriffen ausgesetzt. Wie die beiden Dokumente im Anhang zeigen, gab die Schließung der Grenze dem kommunistischen Staat mehr Sicherheit.« Im Laufe der 1950er Jahre beschwerte sich die Sowjetunion wiederholt bei ihren einstigen Verbündeten im Westen und bei den Vereinten Nationen über bestimmte Sabotage- und Spionageaktivitäten und forderte die Schließung der Büros bestimmter Agentengruppen in der BRD, wobei sie Namen und Adressen nannte. Ihre Beschwerden stießen stets auf taube Ohren. Unweigerlich mussten die Ostdeutschen daher bei Einreisen aus dem Westen schärfere Kontrollen durchführen, bis schließlich die berüchtigte Mauer gebaut wurde. Man sollte auch nicht vergessen, dass Ostdeutschland komplett entnazifiziert wurde, während in der BRD auch noch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Kriegsende zahlreiche ehemalige Faschisten höchste Ämter in der Exekutive, der Legislative und der Judikative bekleideten. [...]

https://www.jungewelt.de/artikel/251348.mythos-des-kalten-krieges.html

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07.08.2017 20:24 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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So genau wusste ich das alles nicht. Aber es beeinflusst mich überhaupt nicht, denn für mich persönlich ist es am wichtigsten, dass ich meine Art zu leben frei wählen kann.
Und egal, welche politische Gesinnung ich habe, im Westen (wäre da noch der Osten) kann ich das tun. Es ist doch letztlich eine Sache des Bewusstseins, ob ich mit meiner Umwelt und deren Art zu leben klar komme, oder ob ich mein Umwelt tauschen muss. Dazu brauche ich keine Vorschriften.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Wahl schwieriger ist umzusetzen hier, aber für mich ist es befriedigender. Ich habe grosse Schwierigkeiten, wenn man mir viel vorschreiben will. Das wird anderen Menschen genauso gehen. Glaube ich.
08.08.2017 15:08 hoffi ist offline E-Mail an hoffi senden Beiträge von hoffi suchen Nehmen Sie hoffi in Ihre Freundesliste auf
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Zitat:
Original von hoffi
[...] Ich habe grosse Schwierigkeiten, wenn man mir viel vorschreiben will. Das wird anderen Menschen genauso gehen. [...]

ja Und da sind wir sogar auf einer Wellenlänge. Ich war schon als Kind so, habe mir auch später nichts vorschreiben lassen und bin trotzdem jederzeit gut klar gekommen.

Natürlich kam es auf die Grundeinstellung an.

Lebte man nach dem Motto: "Jeder ist sich selbst der Nächste; ich nehme ohne angemessene Gegenleistung, was ich kriegen kann; alle anderen sind mir egal; und nach mir die Sintflut!"
Dann durfte man zumindest wenig Verständnis erwarten. Aber mit "Vorschreiben" hatte das erst mal nichts zu tun, so lange keine Verstöße gegen Gesetze oder eingegangene Verpflichtungen vorlagen.

Oder besaß man so etwas wie inneren Anstand/Verantwortungsgefühl - auch für seine Mitmenschen und die nachfolgenden Generationen; war vielleicht sogar bemüht, der Gesellschaft mehr zu geben als von ihr zu nehmen.
Solchen musste man nichts "vorschreiben".

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Mir würde als Ergänzung/Erläuterung zum bereits Geschriebenen noch allerhand einfallen.

Aber erstens habe ich mich im (leider nur Forenmitgliedern zugänglichen) "DDR-Thread" bereits sehr umfänglich und auch kritisch zu meinen Erfahrungen/Ansichten geäußert;
zweitens gibt es das Buch unserer Autorengemeinschaft "Leben in der DDR" (GNN-Verlag, 2000)
und drittens ist dieses zum Glück sogar in Gänze kostenlos im Internet lesbar.

Auf dem Cover heißt es:

Zitat:
"Vom Zeitgeist und den ihn erzeugenden Medien wird gern der Eindruck erweckt, in der DDR habe es 17 Millionen leiderfüllter Lebensläufe gegeben.

Für jüngere Generationen wird da vieles unverständlich bleiben.

Im vorliegenden Buch kommen 75 engagierte DDR-Bürger zu Wort, die ihre Auffassungen und Erlebnisse schildern. Da ist von vielfältigen Bemühungen die Rede, man beschreibt die eigenen Versuche, Zivilcourage und Ideale zu bewahren. Auch Enttäuschung und Selbstzweifel werden angemerkt. Besserwisserei und Zuschauermentalität wird man hier jedoch vergeblich suchen. Es ist eben ein Selbstzeugnis von Akteuren.

So ist ein vielfarbiges Mosaik dessen entstanden, was viele Bürger einmal für ihren Staat empfanden und taten. Und vielleicht wird der eine oder andere ältere Leser sagen: "Ja, so war es doch auch."

Wer immer sich ein reales Bild von der Vergangenheit machen will, wird an dieser Dokumentation nicht vorbeikommen." (Hervorhebg. Lon.)


Hier der Link (die Einzelbeiträge lassen sich durch Anklicken aufrufen und das Buch über die Markierungen rechts/links oben seitenweise durchblättern.)

http://www.spurensicherung.org/texte/Band3/Inhalt3.htm

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Gespräch mit Herbert Graf, fast zwei Jahrzehnte Mitarbeiter Walter Ulbrichts
Über Kontakte zwischen Moskau und Washington, um einen Krieg zu vermeiden, und über Walter Ulbricht, der dafür an den Pranger kam

Zitat:

Sie waren bereits seit einigen Jahren Mitarbeiter Walter Ulbrichts, Vorsitzender des Staatsrats der DDR, als am 13. August 1961 die Staatsgrenze zur Bundesrepublik und die zu Westberlin geschlossen wurden ...

Jetzt fragen Sie mich bestimmt gleich zur Pressekonferenz am 15. Juni, auf der Ulbricht erklärt hatte, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten, und zwei Monate später geschah das Gegenteil, weshalb seither Ulbricht als Lügner dargestellt wird. Diese acht Worte standen am Beginn eines Vorschlags, der jedoch fast immer abgeschnitten wird.

Nein, das frage ich nicht, weil inzwischen jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, dass Ulbricht Mitte Juni nicht wissen konnte, ob und wie sich die beiden Großmächte Wochen später verständigen würden. Nicht er war der Herr des Geschehens. Wer aber war es dann? Nikita Chruschtschow allein?

Nein. Es war – weil das Wort neuerdings so populär ist – ein Deal zwischen US-Präsident Kennedy und dem sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow (von 1958–64, von 1953–64 Vorsitzender der KPdSU, jW). Die beiden hatten sich bekanntlich Anfang Juni 1961 in Wien getroffen. Danach kam ein dritter Mann ins Spiel: John J. McCloy, der im Auftrag des Weißen Hauses in Moskau wochenlang verhandelte und dann mit Chruschtschow in dessen Urlaubsort Gagra in Georgien die Lösung des Weltkonflikts vereinbarte.[...]


Weiterlesen unter
https://www.jungewelt.de/artikel/316245....ensvertrag.html

Das ist ein außerordentlich aufschlussreiches und ungeschminktes Gespräch über Hintergründe und Einzelheiten der Vorbereitung des "Mauerbaus"!
Obwohl unsereins damals keinen unmittelbaren Einblick in die große Weltpolitik hatte, spürten wir doch die zunehmenden internationalen Spannungen. Und mit den durch die offene Grenze verursachten Problemen hatten nicht nur die staatlichen Organe der DDR zu kämpfen, sondern sie wirkten sich auch immer negativer auf den Lebensstandard der Bürger aus.

Zitat:
[...]Sabotage und Spionage hatten die DDR in den 50er Jahren – je nach Quelle – zwischen 30 und 100 Milliarden Dollar gekostet. Seit 1949 war es trotz der Abwanderung Hunderttausender in einer beispiellosen Qualifizierungsanstrengung gelungen, in allen Bereichen der Volkswirtschaft mehr Akademiker und Ingenieure zur Verfügung zu haben – mit Ausnahme des medizinischen Bereichs. Wenn man die Zahl der Ärzte 1949 als 100 Prozent annimmt, so war man 1961 bei 91 angekommen. Dabei hatten die DDR-Universitäten in diesem Zeitraum etwa 20.000 Mediziner ausgebildet.
Sicher: Die Freizügigkeit kann als sittliches Grundprinzip gelten. Das Recht aller Bürger, nach einem Unfall oder bei Krankheiten medizinisch betreut zu werden, ist aber auch ein sittliches Prinzip. Und der Schutz einer Gesellschaft vor Braindrain, der Abwanderung von Fachkräften, nicht minder. Ein Staat, der unter den hier angedeuteten Zwängen handelt, kann – so oder so – nicht gut aussehen. Was die heutige Aufarbeitungsindustrie aber verschweigt: Es gab 1961 in der DDR-Bevölkerung breite Zustimmung für die Grenzabriegelung. Fast alle renommierten Künstler und selbst der heutige DDR- und Kommunistenhasser Wolf Biermann befürworteten sie zum Teil lautstark.[...]

Lesen unter
https://www.jungewelt.de/artikel/316196....-die-mauer.html

Weshalb auch eine junge Ostberliner Friseurin danach aufatmete, beschrieb Ilse Wendler in ihrem Beitrag für unser weiter oben verlinktes Buch

Zitat:
[...]Endlich reine Luft und klare Verhältnisse. Die Ostkunden galten wieder etwas, auch wenn sie sich nur im Herrensalon die Haare für 1,75 Mark der DDR schneiden lassen wollten.[...]

http://www.spurensicherung.org/texte/Band3/wendler.htm#top

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12.08.2017 00:56 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Weshalb flüchteten denn Menschen in den Westen? Das waren doch nicht alles Leute, die kriminell waren oder normalen Verpflichtungen nicht nachkommen wollten?
Und weshalb war das Wort "Flucht" überhaupt dann ein Thema?

Die paar Leute, die ich aus der ehemaligen DDR kenne, sind ganz und gar integer.

Lonicera, vielleicht kannst du mir eine Antwort darauf geben, worin sich diese Menschen von denen unterscheiden, die, wie du schreibst, lautstark einer Grenzabriegelung zustimmenten Die eingeschränkte Auswahl an Konsumgütern allein wird wohl der Grund dafür nicht sein.

Ich hätte es zu gerne, wenn hier jetzt jemand etwas dazu sagen würde, der aus der DDR stammt.
12.08.2017 20:09 hoffi ist offline E-Mail an hoffi senden Beiträge von hoffi suchen Nehmen Sie hoffi in Ihre Freundesliste auf
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@hoffi
Eigentlich wollte ich ja während PBB mal eine Foren-Pause einlegen, aber ich möchte mich andererseits auch nicht vor dem Versuch einer Antwort auf Deine Frage drücken. Ein Versuch deshalb, weil ich dazu keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben, sondern lediglich mein persönliche Auffassung/Erfahrung darlegen kann/will.
Generell gilt sicher, dass alle, die aus der SBZ/DDR in den Westen gingen, sich davon eine Verbesserung ihrer persönlichen Situation erhofften.
Allerdings waren die konkreten Beweggründe äußerst differenziert und auch in bestimmten Zeitabschnitten unterschiedlich.
In der ersten Nachkriegsperiode flüchteten beispielsweise allerhand Leute, die sich vor der Bestrafung ihrer während der Nazizeit/imKrieg begangenen Verbrechen fürchteten, die bekanntlich im Westen kaum zu erwarten war. Manche tarnten sich aber auch noch jahrelang und gingen diesen Schritt erst, als man ihnen auf die Schliche zu kommen drohte.
Eine weitere typische Gruppe aus dieser Zeit waren Leitungskader/Fachkräfte vor allem aus früheren Konzernbetrieben, deren Zentralen sich auf BRD-Gebiet befanden oder dort neu aufgebaut wurden. Sie waren dort heiß begehrt - vor allem dann, wenn sie als Einstand in den Ostbetrieben geklaute Patente etc. mitbrachten.
In den Jahren danach überwog nach meiner Einschätzung der Wunsch nach mehr Komfort/Wohlstand. Es gibt ja auch nichts daran zu deuteln, dass die äußeren Lebensverhältnisse in SBZ/DDR damals wesentlich bescheidener waren als im Westen. Man muss aber doch nach dem "Warum" fragen. Der wichtigste Grund waren die unterschiedlichen Start- und Entwicklungsbedingungen. Jeder kann sich über Google diesbezüglich informieren. Ich habe schon allein bei Wiki diese Fakten gefunden
Zitat:
Die Reparationsleistungen der späteren DDR an die Sowjetunion geschahen bis 1948 hauptsächlich durch Demontage von Industriebetrieben. Davon betroffen waren 2.000 bis 2.400 der wichtigsten und bestausgerüsteten Betriebe innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Bis März 1947 wurden zudem 11.800 km Eisenbahnschienen demontiert und in die SU verbracht. Damit wurde das Schienennetz bezogen auf den Stand von 1938 um 48 % reduziert. Der Substanzverlust an industriellen und infrastrukturellen Kapazitäten durch die Demontagen betrug insgesamt rund 30 % der 1944 auf diesem Gebiet vorhandenen Fonds. Ab Juni 1946 (SMAD-Befehl Nr. 167) begann sich die Form der Reparationen von Demontagen auf Entnahmen aus laufender Produktion im Rahmen der Sowjetischen Aktiengesellschaften zu verlagern, die zwischen 1946 und 1953 jährlich zwischen 48,0 und 12,9 % (durchschnittlich 22 %) des Bruttosozialprodukts betrugen.[6] Die Reparationen endeten nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Auf der Grundlage erstmals erschlossener Archivmaterialien, vor allem in Moskau, kamen L. Baar, Rainer Karlsch und W. Matschke vom Institut für Wirtschaftsgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin etwa 1993 auf eine Gesamtsumme von mindestens 54 Milliarden Reichsmark bzw. Deutsche Mark (Ost) zu laufenden Preisen bzw. auf mindestens 14 Mrd. US-Dollar zu Preisen des Jahres 1938.[7] [...] Als die Reparationen 1953 für beendet erklärt wurden, hatte die SBZ/DDR die höchsten im 20. Jahrhundert bekanntgewordenen Reparationsleistungen erbracht.[8] Die Reparationen der DDR betrugen insgesamt 99,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953) – die der Bundesrepublik Deutschland demgegenüber 2,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953). Die DDR/SBZ trug damit 97–98 % der Reparationslast Gesamtdeutschlands – pro Person also das 130-fache [...]

Zu den verheerenden Auswirkungen der seitens der BRD betriebenen Kampagnen gegen die DDR - massive Propaganda, Abwerbung qualifizierter Fachkräfte usw. wurde in den oben verlinkten Artikeln bereits vieles gesagt.
Hier eine weitere interessante Analyse, der ich aus meiner persönlichen Sicht nur zustimmen kann - insbesondere hinsichtlich Westberlin und Ernst Reuter.
http://www.dreizehnter-august.de/doks/uz3331u.htm

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13.08.2017 03:53 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Aber so weit ich Dich verstehe @hoffi, kommt Dir in alledem die Ablehnung des "DDR-Regimes", der Drang nach Meinungs- und Willensfreiheit viel zu kurz.
Darüber will ich gar nicht streiten, das spielte auch oft eine Rolle - allerdings nach meiner Überzeugung eben nicht die überwiegende, als die sie heute hingestellt wird.
Und - was ich schon immer mal schreiben wollte - man muss unterscheiden zwischen den grundsätzlichen, so zu sagen theoretischen Zielen/Gesetzen/Regelungen des Staates und dem, was praktisch daraus gemacht wurde. Damit meine ich den bekannten "subjektiven Faktor". Da gab es auf allen Ebenen jede Menge vorbildliche/selbstlose Initiativen, aber eben leider auch Engstirnigkeit, Borniertheit, Arroganz oder ganz einfach Gleichgültigkeit. Und der Widerstand dagegen äußerte sich in unseren eigenen Reihen, das muss ehrlicher Weise auch gesagt werden, im Gegensatz zu den Anfangsjahren immer zurückhaltender. Was nicht zuletzt an unserer allmählich gewachsenen "Festungsmentalität" lag. Denn mittlerweile hatten wir begreifen müssen, dass der Westen sehr hellhörig war, wenn er uns etwas am Zeuge flicken konnte.
Obwohl ich eigentlich längst wieder schlafen wollte, habe ich rasch noch eine offizielle Darstellung der Fluchtursachen von 1961 ergoogelt (s.u.)
Man sollte sich diese Liste auch unter dem Aspekt ansehen, dass stets ein Großteil der "Flüchtenden" (bis zu 50 %) Jugendliche waren.
Was mir in der Fragestellung fehlt, ist deshalb "Abenteurerlust".
Dass jeder wusste, welche Begründung am Besten ankam, setze ich sowieso voraus.

http://www.chronik-der-mauer.de/material...61-31-juli-1961

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13.08.2017 03:54 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Klar, die DDR war schon toll.
Das jeder bespitzelt und überwacht wurde, niemand sagen durfte was er dachte und an der Grenze erschossen wurde war schon in Ordnung. Das man teils ewig
für Lebensmittel anstand war ja auch nicht schlimm, man hatte ja Zeit. War man ja gewöhnt, auf Telefon und Auto musste man ja auch nur 10 Jahre warten.
Oder man hatte Beziehungen, dann ging das alles flott. Das bisschen Vetternwirtschaft ist doch nicht so schlimm gewesen.
Und die ganzen politisch Inhaftierten, ach Mensch, irgendwas gibts halt immer zu meckern, alles nicht so schlimm. Kinderheime mit Indoktrination ist auch was feines!

Echt schlimm mit ideologisch verblendeten ewig Gestrigen. Die diskutieren und argumentieren alle gleich, ob rechts ob links, nimmt sich nichts. Erinnert mich
an meinen Opa, der redet auch alles schön was bei den Nazis war, da kannst du Argumentieren, Erklären und Erzählen was du willst. Hat halt keinen Sinn.
Immer nur fein lesen und hören was ins verblendete Weltbild passt.
Zum Glück können beide in diesem Alter nicht mehr viel Schaden anrichten...

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Das einzig Interessante an den Ergüssen von Th01 ist mittlerweile für mich, dass Charakter/Gesinnung/Bildung/Alter usw. mit jedem Post deutlicher werden. ja

Aber nochmals zu uns beiden, @hoffi!
Bitte verstehe meine Erläuterungen zu Deinen Fragen nicht als Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsversuche! Das haben weder die DDR noch ich nötig.
Nötig hätten es dagegen die BRD und die meisten ihrer maßgeblichen Politiker. Und zwar nicht nur für die Jahrzehnte lange infame Hetze/Politik gegen die UdSSR und die übrigen sozialistischen Staaten einschließlich der DDR, sondern auch für ihre Innenpolitik. Beispielsweise die Farce einer angeblichen "Entnazifizierung" bei gleichzeitiger Berufung belasteter Altnazis in hohe Ämter - dafür stehen Namen wie Globke, Filbinger, Heusinger, Gehlen und andere - sowie die Jahrzehnte lange Durchsetzung ganzer Ministerien/Bereiche - beispielsweise Justiz und Auswärtiges Amt - mit durchaus nicht nur "nominellen" NSDAP-Mitgliedern. Die Ausmaße sind aktenkundig, können ergoogelt werden, aber auf Anforderung setze ich gegebenenfalls auch entsprechende Links.

Demgegenüber stand von Beginn an die Diskriminierung und Verfolgung von Andersdenkenden - beispielsweise von Teilnehmern an FDJ-Kundgebungen/Demonstrationen "Für Einheit und gerechten Frieden".
Philipp Müller wurde bei einer solchen erschossen, in Westberlin und an anderen Orten prügelte Polizei die Teilnehmer auseinander.

Oder nimm das FDJ- und das KPD-Verbot! Wo war denn da die viel gerühmte Meinungsfreiheit?
Man greift sich an den Kopf, wegen welch "staatsgefährdender Taten" selbst ehemalige Mitglieder verurteilt wurden.
Doris Zastrow aus unserem Autorenkollektiv beschrieb, weshalb sie im November 1953 mit weiteren 27 Freunden vor dem Lüneburger Sondergericht erscheinen musste.
http://www.spurensicherung.org/texte/Band1/zastrow.htm#top

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13.08.2017 13:56 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Forts.
Jupp Angenfort, westdeutscher FDJ Vorsitzender und Landtagsabgeordneter wurde wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, wegen Geheimbündelei und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen Vereinigung zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Der BGH führte aus, ein Massen- und Generalstreik könne Gewalt im Sinne des StGB § 80 Abs 1 Nr 1 StGB sein. Gegen ihn wurde wohl das erste Zuchthausurteil eines bundesdeutschen Gerichts wegen einer politisch motivierten Straftat nach 1945 gefällt, das höchste Strafmaß, das überhaupt in dieser Zeit gegen Kommunisten verhängt wurde. Walter Menzel, damals Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion sagte dazu:[4]
„Vergleicht man dieses Urteil mit den milden Urteilen gegen Kopfjäger aus den hitlerschen KZs, gegen viehische Mörder, die nachträglich noch begnadigt werden, dann ist man empört darüber, dass Menschen vor dem Richterstuhl so behandelt werden. Wir sind in Westdeutschland wieder soweit, dass alle Gegner des Bundeskanzlers als Bolschewisten oder des Hochverrats angeklagt werden.“
Nachzulesen und Weiteres zu Jupp Angenfort hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Angenfort

Nimm die Berufsverbotsverfahren, es waren Tausende mit schwerwiegenden Folgen. Lies die Website der davon bis in die Gegenwart Betroffenen! Eine Entschuldigung/Wiedergutmachung wurde ihnen bisher von jeder Regierung konsequent verweigert.
http://www.berufsverbote.de/

Und wie steht es in der Gegenwart um Demokratie und Meinungsfreiheit, wenn es um "Linke" geht?
So lange sie - da hat Th01 mal ausnahmsweise Recht - beispielsweise mangels Reichweite ihrer Äußerungen/Handlungen keinen "Schaden" anrichten, nimmt man von ihnen wenig Notiz. Ziehen sie allerdings weitere Kreise, werden "Aufrührer" gemaßregelt - in Betrieben/Einrichtungen beispielsweise durch Entlassungen - orchestrierte öffentliche Kampagnen gegen sie organisiert, und selbst Prügelei/Wasserwerfer/Pfefferspray usw. von staatswegen werden ständig "normaler". Ebenso wie die extreme Ausweitung/Zuspitzung staatlicher Überwachungsmaßnahmen - angeblich nur zwecks Terrorabwehr, im Ergebnis aber zur Erzeugung des "gläsernen Bürgers".

Nach alledem denke ich, dass man sich in diesem Deutschland hinsichtlich eigener Gewissensentscheidungen/Handlungen nur frei - weil unbehelligt - fühlen kann, so lange diese dem politisch geförderten Mainstream entsprechen und der politisch-ökonomische Herrschaftsclan nicht um seine Macht fürchten muss.
Denn in einer solchen Situation würden wir erneut im Faschimus enden.

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---aber egal, welche Ideologie ich leben möchte, hier kann ich mich immer auf Menschenrechte berufen, sollte ich gezwungen werden bspw., so weit ich weiss, konnte man das in der ehemaligen DDR nicht.

Das ist aber für mein Verständnis von Freiheit sehr wichtig.

Wenn die Bewohner der ehemaligen DDR später nach dem Fall der Mauer gefragt wurden, warum sie über den Mauerfall so froh waren, wird sehr oft gesagt, sie wollten frei sein. Meinten sie mit "Freiheit" denn nur die persönliche materielle Situation? Man hat eher das Gefühl, sie meinten damit eine viel weitreichendere Freiheit. Ich glalube, das kann man einfach nicht "wegschreiben" mit so vielen Beispielen, wie du sie gibst-

Und mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen, denn ich kann das ja alles nur aus der Sicht eines westdeutschen Menschen beurteilen. Das scheint nicht auszureichen. Jetzt müsste sich wirklich mal jemand aus der DDR äussern.

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13.08.2017 16:36 hoffi ist offline E-Mail an hoffi senden Beiträge von hoffi suchen Nehmen Sie hoffi in Ihre Freundesliste auf
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Du schreibst grad so, als ob ich nicht aus der DDR stammen würde Zwinker2
Nein, aber ernsthaft: Mag schon stimmen, dass frühere DDR-Bürger damals so antworteten. Es wurde ihnen ja auch tagtäglich in den Mund gelegt, und mancher glaubte es lieber selbst, als sich einzugestehen, dass es ihm eigentlich vor allem die schöne bunte Konsumwelt angetan hatte. War ja ganz ohne Zweifel auch sehr verlockend, und selbst ich stand zunächst fast bewundernd vor x-Joghurtsorten in den scheinbar so praktischen Wegwerfbechern. Denn bis dahin kannte ich nur zwei Varianten: weiß oder rosa in Viertelliter-Glas-Pfandflaschen, die man sorgsam auswaschen und zum nächsten Einkauf nicht vergessen durfte. Aber gleichzeitig überfiel mich ein etwas mulmiges Gefühl. Bis dahin war ich nämlich - man kann mir das glauben oder nicht - mit der relativ bescheidenen Lebensweise einer normalen DDR-Bürgerin ganz zufrieden gewesen und hatte mir nicht nur einmal überlegt, welchen unglaublichen Fortschritt es bedeuten würde, wenn auch die Bevölkerungen der unterentwickelten Länder auf DDR-Niveau leben könnten. Und das sehe ich auch noch heute so.
Ob bei den älteren DDR-Bürgern das Gefühl der errungenen "Freiheit" angesichts der gravierenden sozialen und politischen Verwerfungen heute noch im Vordergrund steht, kann ich nicht beurteilen.
Aber warum in aller Welt "tickt" der Osten denn anders als die Alt-BRD, wenn nicht auch wegen der Enttäuschung über die Inhaltsleere dieser schönen Phrase ?

Zur Meinungs- und Gewissensfreiheit hierzulande eine weitere Ergänzung (bevor ich hoffentlich wirklich mal Pause machen kann):
Wie verträgt es sich denn mit diesen hehren Grundsätzen, dass nach der "Wiedervereinigung" - die ja zumindest theoretisch keine Annexion sein sollte - abertausende unserer Hochschullehrer, Lehrer, Wissenschaftler, Künstler, sonstigen Spezialisten und DDR-Wirtschaftsfunktionäre entschädigungs-/perspektivlos vor die Tür gesetzt wurden, ohne dass ihnen irgendwelche strafbare Handlungen nachgewiesen werden konnten?
Sie hatten lediglich eine andere politische Überzeugung als die neuen Herrscher.
Das war ein beispielloser Enthauptungsschlag gegen unsere gesamte Intelligenz! Nach Einschätzung von P.-M. Diestel - früherer DDR-Bürgerrechtler und späterer Innenminister unter Lothar de Maiziere - forderte er infolge Suizid, Infarkten usw. in kurzer Zeit mehr Todesopfer als die "Mauer" während der fast drei Jahrzehnte ihrer Existenz.

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