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Spezifisch deutsche Kultur vs. Integration

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... lautet die Überschrift eines heute bei Telepolis erschienenen Artikels, zu dem bisher knapp 400 Kommentare veröffentlicht wurden. Und in den meisten davon empört man sich ebenso über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung wie über den Verfasser Detlef zum Winkel, welcher die Ausgangs-/Streitpunkte am Anfang seines Textes nochmals darstellt

Zitat:
Alexander Gauland (AfD) drohte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) zu entsorgen, aber warum sollte sie nach Eichsfeld eingeladen werden? [...]
Die SPD-Politikerin sorgt schon seit Wochen für Kreislaufstörungen an Stammtischen, weil sie in einem Beitrag für den "Tagesspiegel" geschrieben hatte, eine "spezifisch deutsche Kultur (sei) jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar".
Eine gute Gelegenheit für den AfD-Mann, die Stimmung beim thüringischen Wahlvolk anzuheizen: "Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können."

Gesamten Text lesen unter
https://www.heise.de/tp/features/Spezifi...on-3820770.html

Ich sehe da vor allem zwei Fragen, über die man vielleicht auch hier im Forum diskutieren könnte.
Die erste "Warum ausgerechnet ins Eichsfeld einladen?" wirft für meine Begriffe vor allem ein erhellendes Licht auf die rückwärtsgewandte Weltsicht von Herrn Gauland und den Seinen, die sie gern allen Deutschen verordnen würden - und die ich - das muss ausdrücklich gesagt werden - zu DDR-Zeiten trotz der katholischen Bevölkerung des Eichsfeldes zumindest nicht als prägend empfand. (Vielleicht ist es sie ja heute immer noch nicht und wird von stockkonservativen AfD-Nationalisten/Populisten nur als zweckdienliches Instrument ihrer Politik aus der Mottenkiste hervorgekramt?)
Einer der Kommentatoren bringt es ironisch auf den Punkt, wenn er schreibt:

Zitat:
Wer schon mal im Eichsfeld war, wird Gaulands Drohung: "Sagt ihr, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her." wahrscheinlich etwas entspannter sehen.
Der meint nichts anderes, als das die Einheimischen der Frau Özoguz die Gegend zeigen und dabei das "Eichsfeldlied" singen sollen.
(https://www.youtube.com/watch?v=XVhYUYLfzMc)

"Dem Herd, an dem in frommer Zucht
Die treue Gattin waltet
Und Kindern, gleich des Ölbaums Frucht,
Die Händchen betend faltet;
Dem Haus, wo noch der Herrgott gilt,
Und nicht nur, was den Magen stillt,..."
Oder(fehlt in dem Video):
"Wo deutsche Sitte, treu und hehr,
Nach Väterbrauch noch blühet,
Und für des Reiches Schild und Wehr
Das Männerherz erglühet.
So weit sich Deutschlands Himmel spannt,
Das hohe Lied vom Vaterland,
Wird's lauter wo gesungen Von Alten und von Jungen?"

Das ist "spezifische deutsche Kultur" im Eichsfeld und welcher Besucher bitte schön würde sich denn das anhören und dann jemals wieder da hin wollen?

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Spezifisch-deutsche-Kultur-
vs-Integration/Wer-schon-mal-im-Eichsfeld-war/posting-30977530/show/

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Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Lonicera: 04.09.2017 16:11.

04.09.2017 15:09 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Der obige Liedtext ist doch wohl einfach nur gruselig!

Aber zu meiner zweiten Frage: Herr Gauland stützt sich in seinen Äußerungen ja eindeutig auf die Verlautbarungen von Bundes-Innenminister de Maiziere und anderen maßgeblichen Politikern zur "deutschen Leitkultur".
Exakt diese gilt es ebenso zu hinterfragen wie die Formulierungen der Integrationsbeauftragten.
Der Autor führt auf S. 2 seines Textes gute Argumente gegen "Leitkulturen" ins Feld, wenn er u a. schreibt

Zitat:
[...]Kultur, die sich als National- oder Leitkultur versteht, neigt zwangsläufig dazu, sich selbst zu überhöhen und andere Kulturen zu erniedrigen. [...]
Darüber hinaus appelliert Gauland im Stil eines hundertprozentigen Populisten an das gesunde Volksempfinden festzulegen, was als Kultur zu gelten hat. [...]
Drittens mobilisiert Gauland die bislang stillschweigende Übereinkunft, wonach die nationale Kultur [...] immer mit Kampf verbunden ist. Unaufhörlich kämpft sie darum, ihren Untergang abzuwenden, ihre Reinheit zu bewahren, eine Vermischung zu vermeiden; von immer neuen Gefahren wird sie bedroht und muss sich ihrer erwehren, bis sie endlich irgendwann gesiegt hat. [...] Folglich wird der Kampf erst mit der Entfernung der Unterlegenen zu Ende sein. Das ist der Kontext, in dem der Begriff Entsorgen einen gewalttätigen und bedrohlichen Inhalt erhält.
Das Konzept der Nationalkultur ist eine Kriegserklärung gegen die Integration. Schließlich hat Gauland den Feind mit Bedacht gewählt. Name, Geschlecht und Amt bieten ihm geeignete Symbole für Generalisierungen.
Es ist nicht ganz klar, welches Etikett sich der Kandidat aktuell an sein Revers heftet, nationalkonservativ, nationalliberal, rechtsnational, kulturkonservativ?
Klar ist allerdings, dass es ein Nationalsozialist nicht besser machen könnte. [...]

So oder so wird diese Debatte immer um den Nationalsozialismus kreisen. Welchen Anteil hatte die spezifisch deutsche Kultur daran, wer waren die Wegbereiter seiner Ideologie und wie konnte es geschehen, dass sich das, was an der deutschen Kultur wirklich Kultur war, im feindlichen Exil versammelte, während sich die Folklore beinah vollständig den Nazis ergab. Anders ist es nicht möglich, über eine deutsche Leitkultur zu reden. (Hervorhebg. Lon.)[...]


Das ist auch meine Meinung. Denn immerhin habe ich die Zeit erlebt, in der bereits uns Kindern ein maßloser Stolz auf die angeblich allen anderen Völkern überlegene deutsche Kultur quasi in die Wiege gelegt wurde.
Und wenn ich speziell für Herrn de Maizieres dünkelhafte Äußerungen überhaupt eine Entschuldigung finde, dann einzig die, dass er wahrscheinlich bereits in seinem Elternhaus in einem Geist erzogen wurde, den ich - zurückhaltend gesagt - nicht als ausgesprochen fortschrittlich/weltoffen bezeichnen würde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_de_Maizi%C3%A8re

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04.09.2017 15:59 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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Allerdings möchte ich auch die Äußerungen von Frau Özoguz hinterfragen, obwohl ich verstehe, was sie gemeint hat.
Die "deutsche Kultur" an der Sprache festzumachen, erscheint mir zu einfach bzw. sogar gefährlich.
Nur einige Gedanken dazu:
- Bekanntlich existieren auf dem Gebiet der heutigen Bunderepublik seit Jahrhunderten Minderheiten wie die Sorben, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die trotzdem Deutsche waren/sind .
- Das "Plattdütsche" klingt beispielsweise für meine mitteldeutschen Ohren fast ebenso (unverständlich) wie das Holländische, und ich meine sogar, dass beide zusammengehören. Wäre das Holländische dann ein deutscher Dialekt oder umgekehrt?

Viel wichtiger erscheint mir aber ein anderer Aspekt.
In meiner Kindheit wurde uns ein Lied eingepaukt, das mir beim Lesen der Äußerung von Frau Özoguz sofort wieder in den Ohren klang.
Ernst-Moritz Arndt schrieb es 1813 während des Befreiungskampfes gegen Napoleon. Aber die Inhalte waren bereits damals fragwürdig und wurden später zwecks Erzeugung/Verankerung völkisch-chauvinistischen Denkens/Handelns auf übelste Art instrumentalisiert - vor allem von den deutschen Faschisten, denen auch mit Versen wie diesen Tür und Tor für ihre "Einverleibungs-", d.h. Aggressionspolitik geöffnet wurde.

Zitat:
[...]
6. Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
Und Gott im Himmel Lieder singt:
|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das wackrer Deutscher, nenne dein! [...]

Denn die "deutsche Zunge" klang fast überall in Europa - in Österreich, im tschechischen Sudetenland ebenso wie im litauischen Memelland, dem rumänischen Siebenbürgen, an der russischen Wolga usw. Und das Lied zählt weitere potenzielle Opfer auf wie die Schweiz, Tirol u.a.
Also, ich würde die "deutsche Sprache" als Identitätsmerkmal jedenfalls äußerst vorsichtig und nicht ohne ergänzende Erläuterung ins Spiel bringen.

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Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lonicera: 04.09.2017 18:53.

04.09.2017 16:09 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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In den Kommentaren zum weiter oben verlinkten Telepolis-Artikel fand ich auch Folgendes:

Zitat:
Das geografische Gebiet, das wir heute als Deutschland bezeichnen, liegt in der Mitte Europas. Es war damit immer schon ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, die hierzulande ihre deutlichen Spuren hinterlassen haben.
Der Nationalstaat ist eine Ausgeburt des 18. und 19. Jahrhunderts. Mit solchen Konstrukten wussten die Menschen vorher nur wenig anzufangen, wo man nur der Untertan eines Königs oder Kaisers war.
Im späten Altertum war halb Norddeutschland entvölkert, weil sich viele Angeln und Sachsen etc. auf den Weg nach England machten. Fast alle dort heute lebenden Menschen sind mehr oder weniger die Nachkommen von Migranten, wenn man so will.
Wenn man sich das Thema Kultur grundsätzlich anschaut, dann ist der nationalistische Erklärungsansatz noch dümmer.
Denn Kultur ist auf ständigen Austausch mit anderen Kulturen essentiell angewiesen.
Was wären die bildenden Künste, Literatur, Poesie, Musik etc. ohne äußere Einflüsse.
Man denke hier nur an Goethes Italienreise oder die Einflüsse der griechischen Klassik auf das Denken in den Zeiten der Aufklärung.
Aber wie soll man das alles Menschen erklären, deren kulturelles Wesen sich auf den Besuch von Rechtsrockfestivals und das Lesen von Landser-Heftchen beschränkt.

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Spezifisch-deutsche-Kultur-
vs-Integration/Re-Ja-welche-spezifisch-deutsche-Kultur-findet-man-im-Eichsf
eld/posting-30980416/show/


Was in diesem Post über England gesagt wird, gilt ebenso für die übrigen europäischen Staaten und auch für Deutschland. Und über die vom Verfasser genannten "äußeren Einflüsse" hinaus gab/gibt es doch seit Jahrhunderten unzählige/vielfältigste wechselseitige kulturelle Bereicherungen! Denn als solche muss man sie verstehen. Sie kamen nicht zuletzt auch aus dem arabischen Raum.
Es ist doch eigentlich logisch, außerdem täglich zu beobachten und zu begrüßen, dass sich das Zeitalter der ökonomischen Globalisierung in der kulturellen Annäherung unterschiedlicher Nationalitäten ebenfalls widerspiegelt - und das ist sogar unverzichtbar für Frieden und Völkerverständigung!
Noch eine persönliche Bemerkung: Nachdem ich wie jeder junge Deutsche in den ersten reichlich eineinhalb Jahrzehnten meines Daseins nur die "rein" deutsche Kultur kennenlernen durfte, begann für mich auch mit der Entdeckung der Schätze der Weltkultur - besonders in Literatur und Musik - ein völlig neues, wundervoll bereichertes Leben.
Seitdem fühle ich mich zwar als Deutsche, aber - um es mit dem jungen Albert Einstein zu sagen - vor allem als "internationaler Mensch".

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Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lonicera: 04.09.2017 18:57.

04.09.2017 18:54 Lonicera ist offline Beiträge von Lonicera suchen Nehmen Sie Lonicera in Ihre Freundesliste auf
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